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Pilotprojekt Spielleitplanung in Schwachhausen

Im Frühjahr 2009 startete das Amt für Soziale Dienste Bremen die Spielleitplanung für die Hansestadt Bremen. Geplant auch für andere Stadtteile Bremens, wurde zunächst in Schwachhausen mit einem Pilotprojekt begonnen. Dem vorausgegangen war ein Beschluss des Beirates Schwachhausen zur Durchführung der Spielleitplanung. Der Beirat Schwachhausen arbeitet bereits seit mehreren Jahren sehr engagiert am Thema „Kinder und Jugendliche im Stadtteil“.
Nach einer Auftaktveranstaltung für Multiplikatoren und einem Fachtag für Multiplikatoren und Interessierte im März und April 2009 konstituierte sich im Mai 2009 eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, die in sechs intensiven Sitzungen unter Federführung des Amtes für Soziale Dienste die Spielleitplanung konzipierte und exemplarisch für Schwachhausen auf den Weg brachte. Die Begleitung und Moderation erfolgte durch das Servicebüro „Für ein kindergerechtes Deutschland“ im Rahmen des Nationalen Aktionsplans. In dieser Arbeitsgruppe wurde auch das Beteiligungskonzept ausgearbeitet. Für die Durchführung des Beteiligungsprozesses beauftragte das Amt für Soziale Dienste SpielLandschaftStadt e.V.

Bestandserhebung Schwachhausen
Die Auswertung der Sozialdaten des Stadtteils zeigen eine insgesamt gute soziale Situation in Schwachhausen. Im Vergleich zum gesamtstädtischen Durchschnitt gibt es deutlich weniger Arbeitslose und SGB II-Empfänger, im „Allgemeinen Benachteiligungsindex“ liegen die Ortsteile des Stadtteils durchweg im besten Quartil. Der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund liegt erheblich unter dem in der Stadt Bremen. Schwachhausen ist ein beliebter Wohnstandort, was sich auch in einer leicht überdurchschnittlichen Zuzugsquote niederschlägt. Eher problematisch sind das relativ hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung und der geringe Anteil von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung. Da immer mehr junge Familien zuziehen, wird der Anteil der Kinder in absehbarer Zeit deutlich zunehmen.
Aus Expertensicht existieren trotz der insgesamt recht guten sozialen Lage insbesondere im Hinblick auf die Entfaltungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Raum erhebliche Defizite:
– Es gibt immer wieder Konflikte zwischen den Generationen, wobei die Streitbereitschaft der Bürger sehr hoch ist. Infolgedessen sind Treffpunkte und Aufenthaltsorte für Kinder und Jugendliche häufig schwer durchzusetzen.
– Die Akzeptanz und Sensibilität für die Bedürfnisse der jungen Generation sind gering. Jugendliche, aber auch Kinderlärm werden oft als Störfaktor wahrgenommen.
– Es existiert ein hoher Druck auf die geringe Zahl an nutzbaren freien Flächen, zumal es hier häufig zu Nutzungskonflikten kommt.

Streifzüge
Von Januar bis März wurde die Beteiligung der Kinder, Jugendlichen und Eltern durchgeführt. In fünf Streifzugworkshops trugen dabei die SchülerInnen von fünf Grundschulen ihre Erfahrungen mit dem Spielen im Wohnumfeld Schwachhausen zusammen. Dabei wurde vor allem deutlich, wie wichtig kinderfreundliche Strukturen im Stadtteil sind: Das Gartenmäuerchen zum Balancieren, Fußwegverbindungen abseits der Straßen, Garagenhöfe und -einfahrten und Rasenflächen zwischen Wohnblocks. Wenn nur manche Nachbarn die Kinder nicht dauernd verscheuchen würden! Besonders beliebt sind bei den Kindern auch die Spielplätze „An der Gete / Ahrensburgstraße“, Schenkendorfwiese und der Richard-Strauß-Platz.
Auch die Jugendlichen äußerten in sechs Kurzworkshops ihre Meinung zum Stadtteil. Für sie sind Fußballspielmöglichkeiten und somit die Schulhöfe im Stadtteil besonders wichtig. Kinder ab 10 Jahren und Jugendliche waren die Hauptleidtragenden, als die Fußballtore auf den Schulhöfen Carl-Schurz-Straße und Kippenberg Gymnasium wegen Nachbarschaftsklagen abgebaut werden mussten. Hauptwünsche dieser Altersgruppe sind ein Kletterpark und Sitzmöglichkeiten.
Die Eltern wurden als VertreterInnen der 0- bis 3-Jährigen befragt und forderten besonders Spielstraßen und ein Elterncafé beim Spielplatz im Bürgerpark.
Aus den Ergebnissen der Beteiligung wurde von einer Expertenrunde ein Maßnahmenplan erarbeitet, der am 27. Mai 2010 von VertreterInnen der Beteiligten diskutiert und verbessert und anschließend vom Ortsbeirat beraten und verabschiedet werden soll. Symbolisch werden an den Orten, an denen für Kinder und Jugendliche etwas verbessert werden soll, Pflöcke eingerammt, bis die Umsetzung vollzogen ist. Zwei Projekte werden dabei kurzfristig gestartet: Die ergänzende Ausstattung am Richard-Strauß-Platz und Verbesserungen auf dem Spielplatz „Kirchbachstraße“.
Trotz intensiver Bemühungen gibt es aber auch Rückschläge. So werden voraussichtlich Fußballtore auf zwei Schulhöfen aufgrund eines Rechtsstreites dauerhaft entfernt werden müssen.
Politiker beim Setzen des Pfahls der "Spielpiraten"
zwei Kinder mit Begleiter und Klemmmappe im Winter auf Streifzug
Ergebnisbericht

Der Ergebnisbericht der Spielleitplanung liegt nun vor und steht zum Download bereit. Er wird laufend aktualisiert:

Einleitung (1,24 MB)
Kinderbeteiligung (10,1 MB)
Jugendworkshop (3,09 MB)
Elternabend (702 kb)
Planungsgespräch im Beirat am 27. Mai 2010 (539 kb)
Anhang mit Maßnahmenplan (623 kb)
Kinder der Grundschule Baumschulenweg auf Streifzug

Jugendliche in Schwachhausen beteiligen sich an der Spielleitplanung

Am Samstag, den 13. Februar 2010 trafen sich einige ältere Kinder und Jugendliche in Schwachhausen um bei der Spielleitplanung mitzureden. Diese Gruppe kam auf recht unkonventionelle Weise durch die Vermittlung der Initiativberaterin im Amt für Soziale Dienste zustande. Ein Beteiligter berichtet:

Auch die Jugendlichen reden mit


Über meine Mutter erfuhr ich, dass Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren von SpielLandschaftStadt gesucht wurden, um Ideen zu sammeln zum Thema: Wo können wir überhaupt noch spielen? Ich hatte Lust das Ganze zu organisieren.
Ich dachte: Da muss man etwas tun und setzte mich ans Telefon. Nach einer halben Stunde stellte ich fest, dass es gar nicht so einfach war. Die Kinder die ich anrief, hatten „Besseres“ zu tun als ihren freien Tag zu vergeuden und mit irgendwelchen Leuten etwas zu besprechen, was sie alle etwas anging.
Am Schluss fand ich dann doch noch 10 Kinder (4 Mädchen, 6 Jungen), zwischen 11 und 17 Jahren, die Lust hatten. Wir trafen uns am Samstag, den 13.02.2010 am Vormittag bei mir zu Hause, nachdem alle ausgeschlafen hatten (außer Paul) mit Elke Schünemann von der Spielelandschaft (im Rahmen der Spielleitplanung). Mir hat Spaß gemacht, dass Elke alles wie ein Spiel gestaltet hat. Am Anfang war die Stimmung ziemlich hibbelig und es nervte ein wenig, trotzdem war es witzig und wir haben viel erarbeitet. Nach fast 3 Stunden und einer 10 Minuten Pause haben wir alles geschafft, was wir uns vorgenommen hatten und waren sehr zufrieden. Nachdem wir ein Abschlussfoto gemacht haben sind alle nach Hause gegangen.
Das Ergebnis war: Die meisten in unserem Alter hängen nur noch vor der Spielekonsole ab, weil es für Kinder in unserem Alter keinen Platz mehr gibt, an dem wir nicht weggescheucht oder vertrieben werden. Viel lieber würden wir im Kletterwald herumturnen oder uns auf der Inlinebahn richtig auszupowern. Viele wollten auch einen überdachten Treffpunkt in unserer Nähe, wo wir uns kreativ betätigen können. Wenn wir nur noch in der virtuellen Welt „leben“, werden wir irgendwann nicht mehr zwischen Spiel und Realität unterscheiden können. Das beste Beispiel sind die vielen Amokläufe in der letzten Zeit. Muss ich abwarten, bis ich Politiker bin und etwas Bestimmen kann oder besteht Hoffnung, dass vorher etwas passiert?
Ich und alle die mitgemacht haben hoffen, endlich ernst genommen zu werden!
Vincent, 11 Jahre
Jugendliche beurteilen ihren Stadtteil